Argumentieren gegen Stammtischparolen und eine Einführung in zwischenmenschliche Kommunikation

Kommunikation heißt nicht nur reden, sondern auch verstehen.

Wer kennt es nicht? Man sitzt mit Freund*innen oder der Familie zusammen und plötzlich bricht eine große Diskussion los. Man stellt fest, es gibt unterschiedliche Einstellungen zu politischen und sozialen Themen. Jede*r versucht den anderen die eigene Meinung aufzudrängen und lässt kaum Raum zum gegenseitigen Zuhören und Verstehen. Doch genau solche Situationen wollen Gerold Stabel und Miriam Schubert vom Peernetzwerk Jetzt e.V. mit ihren Workshops über zwischenmenschliche Kommunikation verhindern. In ihrer Vereinsarbeit vernetzen und unterstützen sie deutschlandweit Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren und weiterbilden wollen.

Beim Jugendkreativfestival kamen wir in einer kleinen Gruppe zusammen und setzten uns zunächst spielerisch mit den Ungleichheitstendenzen in der Gesellschaft auseinander. Im sogenannten „Privilege Game“ nimmt jede*r die gesellschaftliche Rolle ein, die auf seiner Karte beschrieben ist und stellen sich in einer Reihe auf. In der ersten Runde befanden sich also nun der Fußballer Philipp Lahm, ein Querschnittsgelähmter im Rollstuhl, ein von Altersarmut betroffener Rentner, eine junge Frau mit Migrationshintergrund sowie ein Geflüchteter an der selben Startposition. Nach und nach wurden dann verschiedene Aussagen vorgelesen, wie zum Beispiel „Ich muss beim Einkaufen nicht auf den Preis achten“, „Ich kann mir sicher sein, in der Schule nicht diskriminiert zu werden“ oder „Ich kann meine Religion frei ausleben“. Jede*r muss dabei für seine Rolle entscheiden, ob die Beschreibungen auf sie zutreffen. Mit jeder Zustimmung geht es einen Schritt nach vorne. Wer also am wenigsten Einschränkungen sozial oder finanziell erlebt, kommt am weitesten. Am Ende ließ Philipp Lahm seine Mitmenschen weit zurück. Für den Schüler, der ihn repräsentierte, war das ein unangenehmes Gefühl. Auch für uns andere überraschte die Distanz zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsmitgliedern. Niemand von uns schien bisher die vorherrschenden Privilegien so konkret vor Augen geführt bekommen zu haben. Wir alle stellten fest, dass aber genau das Verständnis dafür ein wichtiger Grundstein für einen gerechteren Umgang in der Gesellschaft ist.

Anschließend befassten wir uns dann mit den vier Seiten einer Nachricht von Ferdinand Schulz von Thun. Die Schüler kannten es noch aus dem Unterricht und erarbeiteten sich schnell wieder die Kommunikationsebenen: Sachinhalt, Appell, Beziehungshinweis und Selbstkundgabe. Als Gruppe reflektierten wir an Beispielen aus dem Alltag, welche Botschaften die Ebenen senden und wie es wirkt, wenn eine weggelassen wird. Da bei Diskussionen oft über gegensätzliche Positionen gestritten wird, versuchten wir dann unter anderem zwischen Beleidigungen, Gegenrede und Argumentieren zu unterscheiden.

Zum Abschluss sollte sich jede*r noch Situationen oder Themen überlegen, bei denen sie gerne schlagfertiger reagieren würden. Dabei kristallisierten sich Lügenpressevorwürfe, Auseinandersetzungen mit politisch anders Gesinnten und Gespräche über Religion als Schwerpunkte heraus. Daraufhin schilderte jede Person die konkreten Situationen, an die sie gedacht hatten. Wir anderen gaben Vorschläge, wie man anders hätte reagieren können oder welches Verhalten wir gut finden würden. Hierbei spiegelte der Workshop die Kommunikation auf Augenhöhe sehr gut wider, denn alle tauschten sich offen aus.

Letztendlich haben wir zwei entscheidende Punkte aus dem Workshop mitgenommen: Kommunizieren und Argumentieren funktioniert nur, wenn die Gesprächspartner*innen auch bereit sind, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und die Sachebene ist meistens die sicherste Form des Gegenargumentierens.