Teil 4: Planung ist angewandte Rationalität

Nachdem wir erst sahen, in was konkret die Kraft der Menschheit liegt haben wir uns damit beschäftigt, wer diese Kraft verwaltet und sind auf unser jetziges Wirtschaftssystem gestoßen.

Nachdem wir dessen innere Logiken, seinen chaotischen und irrationalen Kern herausgearbeitet haben, bleibt abschließend die altbekannte Frage zu klären: Was tun?

Die Menschheit muss in der Entwicklung ihrer sozialen Verhältnisse voranschreiten und neue Wege finden, die Ressourcen, wie geistigen und körperlichen Kräfte sinnvoll zu verteilen. Sinnvolles gestalten dieses Produktionskomplexes, der Produktionsmittel heißt, sie aktiv nach bestem Wissen und Gewissen umzubauen, und direkt auf die Erfordernisse der Ökologie und die menschlichen Bedürfnisse auszurichten. Dieses aktive Umgestalten heißt nichts Anderes, als dass die Menschen den zentralen Platz in der Gestaltung der Wirtschaft einnehmen müssen, sie müssen mit Vernunft und in ständiger Reflexion des eigenen Handelns versuchen, positiv auf die zerstörerischen Entwicklungen in unserer Umwelt und Gesellschaft einzuwirken, es braucht die Wirtschaftsdemokratie, ja, es braucht den Sozialismus, weil nur er überhaupt mit Vernunft steuerbar ist.

Es lässt sich mit der biblischen Arche vergleichen, die auf Felsen zudriftet;

nur wenn die Menschen das Ruder des Schiffes in die Hand nehmen, können sie versuchen, nach bestem Einschätzen der Lage, Kursänderungen vorzunehmen.

Es gibt dabei keine Erfolgsgarantie, da, wie gesagt, die natürlichen Systeme auch neue Eigendynamiken entwickeln, die erst erforscht werden müssen aber es eröffnet zumindest eine Chance.

Das Ruder wegzulegen und es von den irrationalen, chaotischen Kräften des Marktes bedienen zu lassen gleicht hingegen dem Selbstmord.

Den Zugriff auf die Mittel, die Welt wirklich verändern zu können, bekommt man nur, indem man das private Eigentum der Wenigen daran aufhebt, indem man die Mittel der Produktion in die Hände der Menschen übergibt. Haben alle Menschen zugriff auf diese Mittel muss in großen Diskussionen mit Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Akteuren entschieden werden, welche Teile der Industrie rückzubauen sind, welche Teile man umrüsten oder modernisieren muss, und welche Sektoren man verstärken und ausbauen sollte. So kann die Menschheit ihre Wirkmacht auf diesem Planeten in eine positive, die globale Ökokatastrophe abwendende Rolle bringen, denn eines ist auch klar: Ohne Technologie werden wir der Lage keinesfalls mehr Herr.

Manchen Leuten schwebt eine naturromantische Utopie vor, in der die Menschen als Massen von Bauern auf dem Land leben, ihr Gemüse selbst anbauen und schauen, wie sie zurechtkommen. Eine Utopie, in der die Technologie als per se schädliche Ausgeburt der verhängnisvollen menschlichen Neugier betrachtet wird und verbannt wurde. Solch eine Gesellschaft kann den runaway climate change nicht aufhalten, sie kann das Plastik nicht aus dem Ozean sammeln, kann das CO2nicht aus der Luft filtern, sondern ist gezwungen, als untätiger Beobachter mit dieser Ökosphäre unterzugehen. Jeder, der einmal von solch einer Welt träumt, sollte sich selbst nur einmal mit Zahnschmerzen dort vorstellen. Wer dann immer noch dabei ist, dem gebührt mein Respekt.

Einige werden diese Zeilen mit skeptischem Blick gelesen haben, aber die Zeit der Doppeldeutigkeit ist vorbei, nicht länger darf man die eigene Botschaft in Decken packen um sie für Andere angenehmer klingen zu lassen, nicht länger darf man nur andeuten, was man will, nein, man muss sagen, was man will.

Jetzt muss Klartext gesprochen werden, und das habe ich versucht zu tun.

Für Kritik und Anregungen bin ich offen.

#socialism_or_extinction