Teil 3: Folgen dieses irrationalen Wirtschaftssystems

In Teil 3 unserer kleinen Artikelserie wollen wir uns damit beschäftigen, welche Konsequenzen und aufbauenden Folgen sich aus dieser Wirtschaftsweise noch entwickeln. Für alle Leser, die erst jetzt einsteigen und nochmal wissen wollen, von welcher Wirtschaftsweise wir reden und was Diese kennzeichnet, hier Teil 2 der Serie:

Aus der Grundformel Privateigentum und Markt erwachsen Dinge wie Werbung, Patente, und ständig wechselnde Mode bis hin zu Eroberungskriegen und Kinderarbeit. Es entstehen zutiefst ausgeklügelte Mechanismen und Wege, den Profit zu realisieren.

„Zählwerke in Druckern“

Ein Beispiel wäre das, was man als geplante Obsoleszens bezeichnet. Gemeint ist, dass Konzerne ihre Produkte absichtlich so bauen, dass sie geringe Lebenszeiten haben, damit sie ersetzt und neu gekauft werden müssen. Es werden Sollbruchstellen eingesetzt, Baugruppen designt, die schlecht zu reparieren sind, Spezialschrauben und Klebeverbindungen erstellt, damit man das Produkt nicht auf eigene Faust öffnen und reparieren kann. So gibt es allerlei Abdeckungen auf Motoren, billige Kondensatoren in Fernsehern, vergossene Spannungswandler bis hin zu ganzen Zählwerken in Druckern, die Diesen abstellen, sobald eine gewisse Anzahl Blätter gedruckt ist. Letzteres hat etwas mit dem Durchspülen der Düsen zu Reinigungszwecken zu tun. Ist der Schwamm, der die „Reinigungstinte“ aufnehmen soll, voll, stellt das Gerät sich ab. Wer hat den Firmen gesagt, sie sollen diesen Schwamm unerreichbar im Gerät verbauen? Es gibt Drucker, bei denen man dieses Fach reinigen kann, warum ist es nicht verpflichtender Standard?

 All das soll dazu führen, dass man das alte Produkt wegwirft und ein Neues kauft um so den Absatz der Firmen zu sichern.

Aus Sicht des Kapitalismus mag dieses Vorgehen ein Geniestreich sein, aus Sicht von Umwelt und Verbraucher ist es jedoch zutiefst verwerflich und irrational.

„Norwegische Krabben in Marokko“

Ein weiteres Beispiel für die Irrationalität dieses Wirtschaftssystems sind die weltumspannenden Produktionsketten, die viele Produkte haben, norwegische Krabben werden zum Beispiel per Lastwagen nach Marokko gebracht, um dort gepult zu werden[1].

Markant für absurde Transportrouten ist auch die Jeans[2].

Ihre Baumwolle wird in Kasachstan angebaut, in die Türkei geschickt um Garn herzustellen, dann nach China gebracht um dort gefärbt zu werden. Von China geht es nach Polen zur Weberei, der polnische Stoff wird in Bangladesch anschließend genäht um dann wieder nach China zu gehen, wo er dann gebleicht oder anderweitig weiterverarbeitet wird. China schickt die Jeans dann nach Belgien in den Großhandel, wo sie von dort aus an den deutschen Konsumenten geht. Die alte Jeans wird nach Afrika geliefert, wo sie entweder entsorgt wird, oder als Kleidung nach Preis pro Tonne ein zweites Leben an den Beinen eines afrikanischen Menschens erfährt und so dafür sorgt, dass eventuelle afrikanische Hosenproduzenten ruiniert werden, weil sie mit diesen billigen Preise nicht mitgehen können. Der Grund für diese haarsträubende Weltreise einer Hose sind niedrige Produktionskosten in den jeweiligen Ländern, sprich, niedrige Löhne, mangelnder Arbeitsschutz und lange Arbeitszeiten, also perfekte Bedingungen, um „wirtschaftlich“ zu produzieren.

„Werbung und Bullshit-Jobs“

Es gibt sogar ganze Beschäftigungszweige, die so nur existieren, weil wir im Kapitalismus leben, ein Beispiel dafür ist die aufgeblähte Werbeindustrie. Millionen Leute verbringen ihre Zeit damit, Werbung zu gestalten, Menschen zu überzeugen, eine Sache zu kaufen. Die Frage ist nur:

 Wer braucht das wirklich? Welcher Mensch hat ein Bedürfnis danach, Werbetafeln zu sehen, sich zum Kauf irgendeiner Sache überreden zu lassen? Ist das wirklich sinnvolle Arbeit?

Klar, neue Produkte müssen bekannt gemacht werden, und in dem Maße ist Werbung ein „Bekanntmachen“ des Produktes. Aber: Wer braucht all die Scharen von Callcentermitarbeitern und Produktdesignern? Muss jedes Waschmittel eine neue Verpackung bekommen? Muss man so viel geistige Arbeitskraft für Fernsehspots vergeuden? Es gibt so viel Sinnvolles und Nötiges in dieser Welt zu tun, warum halten wir Leute in Beschäftigungen, die im Grunde weitgehend überflüssig sind?

Man könnte Ähnliches über alles Militärische sagen, eigentlich braucht es niemand, dennoch wird es erhalten, damit Staaten ihre geopolitischen Interessen durchsetzen und verteidigen können, aber das soll jetzt nicht das Thema sein.

Wie wir sehen ist eine gänzlich irrationale Verteilung von Arbeitskraft und Ressourcen, eine gänzlich irrationale Gestaltung der Produktivkräfte leider Alltag in unserem Wirtschaftssystem. Dieser Irrationalismus sorgt für eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen und kann keinesfalls dazu dienen, den kommenden Herausforderungen zu begegnen.

Am fundamentalsten und unumgänglichsten fällt jedoch ein weiterer Aspekt ins Auge:

Wenn wir private Akteure auf Märkten um Profit konkurrieren lassen, wird dieses System nie einen Gleichgewichtszustand erreichen[3].

Jeder Einzelakteur wird versuchen, an mehr Ressourcen, Kunden und Mittel zu kommen, um einen Profit einzulösen, seinen Konkurrenten zu überflügeln. Dieser Grundalgorithmus wird immer nach außen streben, immer versuchen, auch noch etwas mehr Kohle aus dem Boden zu holen, mehr Autos zu verkaufen, mehr Produkte zu erstellen und abzusetzen. Er ist gezwungen, immer weiter zu wachsen.

Nun ist die Erde idealisiert betrachtet eine Kugel, und wie wir wissen, ist eine Kugel ein endliches Objekt.

So beträgt das Volumen der Erde 1,083*1012  km3 ,es gibt nur 510.100.000 km² Landfläche, etc.

Nimmt man diese beiden Erkenntnisse zusammen heißt das nichts Anderes, als dass ein ökonomisches System, das auf ewigem Wachstum basiert, nicht für alle Zeit auf dieser Welt existieren kann. Der Kapitalismus hat ein Ablaufdatum.



[1]https://www.zeit.de/2019/25/nordseekrabben-herkunft-marokko-pulbetrieb-grosshandel-stimmts

[2]https://diercke.westermann.de/content/globale-warenketten-am-beispiel-jeans-978-3-14-100800-5-271-4-1

[3]Dies führt zu noch Weiteren, sehr wichtigen Schlüssen neben dem Wachstumszwang, nämlich der Akkumulation des Kapitals, also der tendenziellen Entwicklung vom freien Markt vieler Konkurrenten hin zum Monopol- und Finanzkapitalismus, in dem wenige „global player“ die Produktionsmittel in der Hand halten, was neue Qualitäten und Spiralen in Gang setzt