Teil 2: Der Herr im Haus – wer gestaltet hier eigentlich?

In Teil 1 unserer Artikelserie wurde gezeigt, womit die Menschen diese Welt verändern. Es ist ein großes Geflecht aus Industrieanlagen, Transportsystemen, Kraftwerken, Werkzeugen und sonstigen technischen Hilfsmitteln, die auf den Planeten einwirken. Diese Mittel zur Produktion aller nachgefragten Güter sind Teil der Produktionsmittel. Die Frage ist, wie setzt der Mensch diesen von ihm geschaffenen Komplex aus Anlagen ein?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir sehen, wer diesen Komplex nach welchen Prioritäten formt, wer welchen Zugriff und wie viel Einfluss auf ihn hat.

Es ist offensichtlich, dass es nicht die Menschheit als Ganzes ist, die demokratisch entscheidet, wer was macht und dann zum Wohle aller produziert, nein, viel mehr wird diese Welt von privaten Akteuren geformt und nach bestimmten Erfordernissen und Zielen einer systemischen Logik gerichtet.

Kurzum, wir leben im Kapitalismus.

Was aber ist der Kapitalismus?

Er ist ein von Menschen erschaffenes Verhältnis, ein System mit eigenen Zielen und Praktiken, das entscheidet, nach welchen Maßstäben produziert und verteilt wird, er ist die Wirtschaftsordnung in den allermeisten Ländern der Welt, und äußert sich doch mitunter sehr unterschiedlich.

Die kapitalistische Wirtschaftsweise hat sich in den letzten hunderten Jahren aus der Feudalordnung in Europa herausgebildet und im Zuge der Kolonialisierung die Welt erobert. Ihr Einfluss auf die Prozesse und Ereignisse in der Welt ist allgegenwärtig und das gesamte 20. Jahrhundert ist Zeuge davon.

Wie aber nun wird die Produktion geregelt? Wer macht was, zu welchem Zweck?

Den Kapitalismus kennzeichnet das Privateigentum an den Produktionsmitteln, das heißt private Akteure (das können Einzelpersonen oder auch Gruppen Einzelner sein) besitzen die Maschinen, das Land, die Ressourcen, und kaufen sich die Arbeitskraft der Menschen, die diese Mittel zur Produktion nicht besitzen dazu, um zu produzieren. Es sind private Produzenten, die diesen Produktionskomplex maßgeblich formen. Diese privaten Akteure treten auf einem Markt untereinander in Konkurrenz, sie produzieren etwas oder bieten eine Dienstleistung an und versuchen dann, ihre Marktkonkurrenten zu überflügeln und zu verdrängen.

„Geld regiert die Welt“

Das oberste Ziel dabei ist es, einen Profit in Form von Geld zu erlangen, um diesen dann wieder zu reinvestieren und das Karussel somit weiter zu beschleunigen. Wer mehr Zugriff auf mehr Ressourcen und  zahlungsfähige Kundschaft hat, kann mehr Gewinn einfahren und drängt seine Konkurrenten vom Markt. Wer nicht mitmacht, nicht „wirtschaftlich“ handelt, weil er soziale oder ökologische Ziele und Mindestmaße hat, wird aus dem Markt geworfen. Da genau das getan wird, was Profit verspricht, wird der Produktionskomplex auch danach gestaltet. So kann man sich in dieser Welt mit dem nötigen Kleingeld vergoldete Badewannen und Supersportwagen kaufen. Wer kein Kunde ist, ist jedoch im Umkehrschluss auch nichts wert. So verwundert es kaum, dass man ältere Menschen schlecht behandelt, oder dass Obdachlose keine Wohnungen erhalten, sie haben kein Geld, was sie für irgendetwas ausgeben könnten, oder brauchen und wollen allgemein nicht mehr viel konsumieren und sind daher sinnlos für dieses System. Jetzt mag man einwenden, dass es ja trotzdem Sozialsysteme gibt, aber die gibt es auch nur, weil es Menschen gab, die dafür auf die Straße gegangen sind, und es ansonsten auch zu allgemeiner  Unruhe kommen würde, wenn man die Leute einfach fallen lassen würde. Was passiert, wenn keiner für stärkere Sozialsysteme Druck macht sehen wir in Deutschland an der Errichtung des größten Niedriglohnsektors in ganz Europa, sowie der Einführung von Hartz IV, welches bereits am Existenzminimum orientiert ist und immernoch sanktioniert, also noch unter das Existenzminimum gedrückt werden kann. So ist es wie eine Hüpfburg, die nur aufrecht gehalten wird, wenn ständig (Luft)druck von Außen kommt. Von selbst fallen die sozialen Elemente immer wieder zusammen auf ein Minimum des nötigen sozialen Friedens.

Wir haben in diesem Teil gesehen, wie der Kapitalismus ungefähr funktioniert, auch wenn dieses Bild noch weitaus stärker vertieft und ausdifferenziert werden müsste, um die Vielzahl von Phänomenen in unserer Gesellschaft erklären zu können. Das würde jedoch den Rahmen dieser kleinen Artikelserie definitiv sprengen, von daher wollen wir uns für´s Erste damit begnügen.

Hier nochmal eine Kurzfassung des Gesagten:

Der Kapitalismus ist ein Gesellschaftssystem, in dem private Akteure die Produktionsmittel besitzen und auf einem Markt konkurrieren um Profite zu erheischen. Es gibt eine Teilung der Gesellschaft in Besitzende und Lohnarbeiter.

Soziale Systeme sind temporärer Natur und im Widerspruch zum Habitus dieses Algorithmus entstanden, Bedürfnisse zählen nur dann etwas, wenn sie mit Geld unterfüttert sind.