Der Mensch bewegt die Welt – aber womit, wozu und wohin?

Wir leben in bewegten Zeiten,

in allen Fragen des Wie und Wohin in unserer Gesellschaft ist es eine zentrale Frage, wie die Menschen ihren Reichtum, ihre Güter produzieren, wie sie diese Verteilen, nach welchen Maßstäben sie entscheiden, wie sie die Ressourcen des Planeten und ihre Arbeit nutzen und in welche Richtung sie diese sozialen Verhältnisse entwickeln wollen, beziehungsweise entwickeln sollten. Keine Sphäre der menschlichen Welt bleibt von der Frage der wirtschaftlichen Ordnung unberührt, überall müssen Menschen täglich entscheiden, wofür sie ihre Zeit aufwenden, „was sich lohnt“, „was sie sich leisten können“, etc..

In dieser kleinen Reihe für unseren Blog möchte ich thematisieren, was unser Impakt auf diese Welt eigentlich ist, in welchem ökonomischen System wir momentan leben, was seine Schwächen sind und wie wir zu einer ökologischen und sozialen Ökonomie jenseits des grenzenlosen Wachstums gelangen.

Teil 1: Die Stärke des Menschen

Der Mensch ist mittlerweile zur treibenden Kraft auf dem Planeten geworden, wir errichten Wasserstraßen, die Kontinente trennen, reißen ganze Gebirge ab, graben Kilometer tief, bauen Kilometer hoch, wir bringen Ökosysteme ins Wanken bis in den globalen Maßstab (Stichwort: Klima). Wir zermahlen, waschen, verbrennen und behandeln Millionen Tonnen von Gestein jeden Tag, verbreiten Chemikalien, die die Natur nicht kennt, erschaffen neue Elemente und sind in der Lage, das Fusionsfeuer der Sonne auf dem Planeten zu zünden. Wir haben neue Phasen- und Materiezustände erschaffen, die bis dato nicht existierten (Bose-Einstein-Kondensate, topologische Materie). Wir erfanden Metamaterialien, die Schall bündeln, extrem hitzebeständig sind, oder so schwarz, dass man 3-dimensionale Formen nicht mehr erkennen kann, wenn man sie aufträgt ( Vantaschwarz). Der Mensch ist u.a. zum Mond, zum Mars, zur Venus und zum Titan gereist. Man kann nicht leugnen, dass der Mensch eine enorme Kraft auf diesem Planeten hat.

Zusammenfassen kann man diese Ära der menschlichen Entwicklung mit dem Begriff des Anthropozäns, der von Paul Crutzen im Jahre 2000 auf einer wissenschaftlichen Konferenz vorgeschlagen wurde. Der Mensch hat die Wiege der Mutter Natur verlassen und ist im Grunde genommen gerade in der pubertären Phase, in der er seine eigene Kraft und Wirksamkeit in ungeahnten Größenordnungen erfährt und nun lernen muss, mit ihr umzugehen.

Das sollte man nicht verwechseln mit der Vorstellung, der Mensch habe sich gänzlich von den natürlichen Prozessen emanzipiert und sei nun uneingeschränkter Herrscher der Welt.

Das ist in keinem Fall so, er bringt die Verhältnisse ins Wanken, umgekehrt entwickeln die Verhältnisse aber auch neue, noch ungekannte Eigendynamiken, die ihn wiederum beeinflussen.

Es ist ein Wechselspiel von unzählbar vielen Entitäten eines großen Ganzen, ein dialektisches Verhältnis.

Was konkret aber ist die Kraft des Menschen?

Die Gesamtheit aller Mittel, mit denen er die Energie- und Materieströme lenken und transformieren kann, angefangen beim einfachen Bagger über die diversen Transportsysteme, bis hin zu Kohlekraftwerken und Fabrikanlagen. Alle nehmen Energie und prozessieren dabei eine Sache in eine Andere, transportieren Sachen von einem Ort zum Anderen, tauschen Informationen aus etc.. So entstehen riesige Zirkulationen von Materie und Energie, die sich von den natürlichen Kreisläufen unterscheiden und diese modifizieren. Konkret kann man zum Beispiel sagen, ein Kohlekraftwerk nimmt den fossilen Kohlenstoffs, verbrennt diesen und setzt dabei grob gesagt elektrische Energie, Wärme und CO2frei.

So ergibt sich eine Vielzahl von Elementen, die sich zu einem großen Netzwerk verweben, das man als globalen, anthropogenen Produktionskomplex bezeichnen könnte. Das Endprodukt des Einen ist der Ausgangsstoff des Anderen, im günstigsten Fall.

Der Mensch betreibt diese Anlagen natürlich nicht aus Spaß, sondern er möchte seine Bedürfnisse nach Nahrung, Wasser, Wärme, Behausung, Strom, Kultur, Gemeinschaft,… damit befriedigen, er produziert damit, was er zum Leben braucht, deswegen können wir diese Mittel als Produktionsmittel bezeichnen. Der Begriff der Produktionsmittel fasst dabei aber noch mehr ein als die Anlagen zur Verarbeitung und zum Transport von Materie. Es sind alle verfügbaren Ressourcen, alles Land, alle geistigen und körperlichen Kräfte ,die die Menschen aufbringen können,  also alles, was zur Produktion nötig bzw. verfügbar ist.